Nach unserem “Misserfolg” (ein 4:4 gegen die SG Schwabach/Mühlhof-Reichelsdorf) waren wir zumindest sofern in Zugzwang, dass wir uns, wenn wir wirklich aufsteigen wollen, keine großen Ausrutscher mehr leisten durften. Und die Erste des SK Neumarkt wurde vergangene Saison Zweiter, war momentaner Tabellenführer (sofern man das Freilos zählt) und damit auf keinen Fall zu unterschätzen, obwohl sie durch die Vereinswechsel von Kevin Beesk und Lorenz Schilay zumindest nominell nicht mehr die gleiche Stärke wie vergangene Saison aufweisen konnten. Aber wie die Erfahrung zeigt, zeigt das gar nichts. Und so traten wir zum ersten 2G-Spiel in Topbesetzung an, Neumarkt mit dem jungen Johannes Hierl auf Brett 8 als Ersatz und sonst in TOP-Aufstellung. Nominell um 100 Punkte favorisiert waren wir, was ebenfalls, wie die Erfahrung zeigt, nichts zeigt. Wie auch schon die vergangenen drei Runden legten wir aber mit Vollgas los und, obwohl lange überhaupt nichts klar war, sorgten unsere hinten drei Bretter für einen Senkrecht-3:0-Start – diese Führung verwandelten wir dann sicher in ein 5,5:2,5.
    
Brett 7: Thomas war in dieser Saison bisher fast ausschließlich mit Erfolgen überschüttet (2,5/3) worden bzw. überschüttete sich selbst damit und auch diese Partie war genau wie man sich das wünscht. In der Flohr-Variante im Caro-Kann (1.e4 c6 2.Sc3 d5 3.Sf3) baute er sich ruhig auf und konnte früh ein leichtes Plus verzeichnen. Ein kleiner Schönheitsfehler unterlief ihm, als er zuließ, dass der gegnerische Springer auf c4 eindringen könnte (was der Gegner aber dann nicht tat). Dem Ausgleich sehr nahe war die Stellung, als der Gegner sich mit der Dame auf a2 hätte bedienen können (zugegebenermaßen ein eher hässlicher Zug), als er stattdessen aber 19…g5?? spielte, stand Thomas praktisch sofort auf Gewinn und konnte problemlos den gegnerischen Königsflügel aufreißen und wenig später zum erfolgreichen Mattangriff ansetzen. 1:0!
    
Brett 8: Sandras Zeit war gekommen! Nach den ersten drei Runden wurde es Zeit, dass bei unserer Dame ein ganzer Punkt kommen würde. Sandra musste sich mit dem lästigen Londoner System rumschlagen und wählte einen eher passiven Aufbau. Trotzdem hatte sie keine große Mühe, auszugleichen und die Stellung in ruhige, positionelle Fahrwasser zu bringen. Mit dem Läuferpaar gegen das Springerpaar und jeweils 2 Türmen sah das Endspiel auch wie gemacht für sie aus, gerade gegen einen U20-Gegner. Als dann in knapper Zeit die Türme getauscht wurden, gabs auch ein Leichtfigurenendspiel, was nun aber auch deutlich schwieriger zu gewinnen war (wobei es mit dem Läuferpaar auch deutlich einfacher zu spielen war). Das Geknete erübrigte sich aber, als Sandras Gegner eine Figur einstellte. Muss wohl an der kurzen Hose gelegen haben (bei ungefähr -100 Grad) – damit gab es Sandras ersten Sieg und es stand 2:0!
   
Brett 6: Unser Mann für die Action wählte mal wieder den Sizilianer gegen das gegnerische 1.e4. Es entwickelte sich ein geschlossener Sizilianer, in dem schnell mit f4 und g4 versucht wurde, eine Party zu veranstalten und den schwarzen König zu ärgern. Domi reagierte wie es einem beigebracht wird und versuchte, das Zentrum zu öffnen. Hier griff der Gegner auch prompt fehl und anstatt die Stellung geschlossen zu halten, wurde ein Springer gezogen und das Zentrum ging wirklich auf. Positionell entwickelte sich dann auch schnell ein klarer Vorteil für das Talent nd der weiße Angriff verflachte – stattdessen war auf einmal der weiße König offen. Per Lxb2 gewann Domi dann auch auf recht elegante Art und Weise einen Bauern (elegant heißt, dass der Läufer nicht geschlagen werden konnte, weil sonst die Dame per Gabel hops gehen würde). Nun musste man nur noch den weißen Bauern loswerden, der sich bis auf f6 vorschob (was unschön ist, wenn man kurz rochiert hat). Anstatt „einfach“ h5 zu spielen und
sämtliche Angriffe zu neutralisieren, schlug Domi den Bauern auf f6 mit seinem Springer, was das Resultat eines Rechenfehlers war. Der Gegner ließ mit 25.Df3!? eine Chance aus, die Qualität so zu gewinnen, dass die Stellung nicht ganz so viel Kompensation lieferte und gewann die Qualität ohne den Zwischenzug. Danach war von weißer Seite aus nicht mehr viel zu machen und es wurden einfach Bauern abgegrast, was sich der Gegner dann nicht mehr zeigen ließ – 3:0!
    
Damit war der eine Raum schon fertig und im anderen Raum mussten “nur noch” 1,5 Brettpunkte her. Das ist aber nicht mal unbedingt so einfach getan (gegen Rothenburg erkrebsten wir uns beim Stand von 4:1 nur noch einen halben Brettpunkt und gegen die SG gaben wir bei 4:1 noch drei Partien ganz her), wir waren vorgewarnt. Dieses Mal sollte es aber glatt laufen:
    
Brett 5: Kristin hatte bisher sportliche 3/3 geholt und auch in dieser Runde mit ihrem geliebten Königsinder (wie, Kristin hatte weiß? Na, egal. Trotzdem Königsindisch!) eine Eröffnung am Brett, mit der sie tendenziell ja schon was anfangen konnte. In einer c5-Variante erspielte sie sich auch schnell positionellen Vorteil und machte am Damenflügel auf. Und joa, wie üblich für einen Königsinder wurde es wild bis unübersichtlich (a.k.a chaotisch) und beide Parteien ließen Chancen aus. Als sich der Nebel fürs erste verzog, hatte unsere Dame auf einmal einen Bauern mehr, dafür Schwarz lästige Angriffschancen. Um die Stellung zu verbessern, gab Kristin wieder ihren Bauern her und nun war es einfach nur noch „wild“ und nicht „wild mit Mehrbauern“. Kristin wollte trotzdem auf Sieg spielen und ließ die Damen am Brett, nur um sie im 36. Zug tauschen – dabei ließ Kristin vorher eine Gewinnchance aus:

   

Mit 34. Tb3 blieben die Damen am Brett, mit 34.Dxc2! Txc2 25.Tb7! wäre der Turm auf der 7. Reihe in Kombination mit Tb8+ und Lh6 etwas zu viel des Guten und Schwarz kommt ohne große Verluste aus der Stellung nicht mehr raus. Nachdem dies nicht genutzt wurde, verflachte die Stellung und am Ende wurde mit L+5B gegen L+5B und genau null Gewinnchancen Remis gegeben – 3,5:0,5.
   
Brett 1: Wie es sich für das Spitzenbrett der Bezirksliga 1 gehört, ging es in dieser Partie mit Abstand am wildesten und undurchsichtigsten ab (was natürlich heißt, dass die Partie maximal gut und fehlerfrei war! Zweifel nicht gestattet!). Zunächst (und etwas ungewohnt) missglückte Martin Weiß nach 10. Sge2?! die Eröffnung und die spätere Mischung aus a3 und f3 machten eher Schwarz als Weiß Freude (wen es interessiert: Hauptvariante wäre gewesen 10.dxc5 mit 11.0-0-0 und Damenopfern aus der Dose). Danach ging die Partie an einigen Stellen sehr anti-positionell weiter und wenn man nur Bauernstrukturen sieht, stellten sich gleich mehrere Nackenhaare auf. Völlig aus dem nichts spielte der Gegner dann ein „Figurenopfer“ mit Lxh2+ und dachte, einen Bauern zu gewinnen, übersah dabei aber, dass er zwei Türme für die Dame spucken musste. Gefühlt war die Sache dann geritzt, aber weit gefehlt: in der entstandenen Stellung waren die Dame und der Springer deutlich aktiver als T+T+L und erst als der Gegner sich gezwungen sah, in der folgenden Stellung den Bauern mit dem Springer zu schlagen, um ihn dann für den f-Bauern zu opfern, lief alles glatt:
    

 

Hätte der Gegner stattdessen die Dame zentralisiert, mit Dxd4 statt Sxd4 hätte die Partie böse ins Auge gehen können. Hätte, hätte, Fahrradkette: So hatte Martin genug Material, gewann die Partie und holte uns damit den Mannschaftssieg: 4,5:0,5.
    
Das war doch nett, so konnten die restlichen drei Talenten wenigstens ein bisschen durchatmen. Aber auch nur ein bisschen, denn wenn man schon mal dabei ist, wollten wir schon ein paar Brettpunkte sammeln. Klappt so halb:
    
Brett 3: Alex wählte gegen den gegnerischen Franzosen die Abtauschvariante (1.e4 e6 2.d4 d5 3.exd5 exd5) und fand sich in einer recht symmetrischen Stellung wieder, die praktisch ausgeglichen war. Das heißt aber noch nicht, dass die Partie auch sicher ist und Alex unterlief ein kleiner positioneller Schnitzer, als seine Dame zwischendurch auf f3 nicht gerade sinnvoll stand. Schwarz ließ die Chance aus, am Damenflügel Druck zu machen und nach ein paar weiteren Abtäuschen hatte man ein ungleichfarbiges Läuferendspiel, bei dem Alex zwar einen Bauern mehr hatte, was aber keine realistischen Gewinnchancen versprach. Unser Talent versuchte es noch ein wenig, im Endeffekt war aber nichts zu machen und die Partie ging Remis aus – 5:1.
    
Brett 4: Was vielleicht gar nicht alle wissen: Dennis begann seine schachliche Vereinskarriere beim SK Neumarkt, hatte also hier quasi ein Heimspiel. Dies ist zwar mittlerweile 13 Jahre her, aber die Jugend… sogar Neumarkter Jugendstadtmeister wurde Dennis mal (mehr nicht? da war doch sicher noch mehr… 😉 ). Und seinen Gegner Martin Simon konnte er nie schlagen, wenn die Erinnerung nicht trübt (man wird ja nicht jünger), also ging es hier auch ein bisschen um die… Ehre? Oder sonst was? Naja, wie dem auch sei: Auch Dennis hatte einen Abtauschfranzosen am Brett. Und ähnlich wie Alex Gegner hatte er die Chance, deutlich Druck zu machen und nutzte diese auch. Im entscheidenden Moment zögerte Dennis aber und spielte statt 12…f5! (was laut Stockfisch bereits positionell gewonnen ist) den Klops 12…Lxf2+? Eigentlich dachte er, mindestens einen Bauern zu gewinnen, verrechnete sich aber kolossal und musste in einen extrem unschönen Angriff hineinlaufen. Dann übersah Dennis in knapper Zeit (so ein Verrechnen dauert schon!) auch noch die Möglichkeit eines Dauerschachs und sah sich gezwungen, die Damen zu tauschen. Dadurch entstand ein klar schlechteres Endspiel mit 2T+L+6B gegen T+2L+S+4B. Der Gegner spielte es zwar nicht optimal und Dennis hatte zwischendrin sogar noch Remischancen, doch gegen ein Läuferpaar in einem Endspiel zu spielen ist einfach keine Party und am Ende ließ sich Dennis von den beiden Läufern auch Matt setzen (hübsch war es ja schon):

   

 

Damit holte Neumarkt gegen sein ehemaliges Vereinsmitglied den Ehrentreffer (Frechheit!).
    
Brett 2: Seba spielte, wie Sandra, gegen das Londoner System (1.d4 d5 2.Lf4 Sf6 3.e3) eine sehr souveräne Partie. Er hatte keinerlei Probleme, sich solide aufzubauen und den gegnerischen Anzugsvorteil zu neutralisieren. Schnell stand er auch leicht besser und prompt flog auch nach dem Damentausch der erste Bauer vom Brett (obwohl die Stellung relativ geschlossen war, war Sebas Läufer dem Springer des Gegners weit überlegen). Geschickt angelte sich Seba auch noch einen zweiten Bauern und im entstandenen Leichtfigurenentspiel hatte Seba L+2B gegen den nackten Springer. Endspielprofis wissen aber, dass dieses Endspiel eines der theorieärmsten ist (behaupte ich einfach mal) und der Sieg musste erstmal her. Danach sah es auch eine ganze Weile aus, bis Seba im 72. Zug mit h4?? die Stellung leider ins Remis verdarb:

    


In der gegebenen Stellung sieht es so aus, als ob man den Läufer immer hin und her ziehen müsste, da der Läufer nur von f3 aus auf beide Bauern decken kann und der weiße König zwischen d4 und e3 hin und her pendelt. Nach 72…Lf3 73. Ke3 und dann Lg4!! Kann man nach 74. Kd4 aber einfach 74…h4! spielen und wenn Weiß jetzt auf d4 schlägt, läuft der h-Bauer zur Dame durch, da der Läufer alle Einbruchsfelder des Springers deckt. Das war aber Gott sei Dank beim Stand von 5:2 nicht mehr wichtig und ergab sich der Endstand von 5,5:2,5.
    
An dem “Sobald wir weit vorne liegen, bleiben wir auch weit vorne” können wir wohl noch ein bisschen arbeiten. Aber was solls: Mit diesem Sieg haben wir ein wenig Luft zum bis-dato-laut-Ligamanager-Erster-aber-mit-Freilos-Gegner geschaffen und liegen jetzt nach Mannschaftspunkten mit 7:1 auf Platz 2 (geteilt mit der Ersten von Heideck-Hilpoltstein, welche auf Platz 1 liegen, aber schon das Freilos hatten). Damit haben wir auch 3 der stärksten Mannschaften bereits gehabt und können sehr entspannt in die Vorweihnachtspause gehen, wobei nach momentanem Stand die schärfsten Gegner (Heideck-Hilpoltstein und Zabo) noch kommen. Abgesehen davon, dass unklar ist, ob die 5. Runde verschoben wird oder nicht, haben wir sowieso Freilos (wobei wir einer Verschiebung zustimmten, denn für uns hat diese ja genau keine Nachteile), womit wir uns jetzt erstmal ausruhen können. Zur 6. Runde am 23.01. geht es dann daheim gegen die Erste des SV Lauf, die ihr letztes Spiel gegen die SG Schwabach/Mühlhof-Reichelsdorf leider kampflos aufgaben. Und dann wird es wieder Zeit für Party!   

   
Einzelergebnisse:
    
   

6 SK Neumarkt 1 DWZ SC JÄKLECHEMIE 1 DWZ 2½ – 5½
1 1 Seitner, Ralf 2026 1 Killmann, Martin 2096 0 – 1
2 2 Smyk, Jozef 1971 2 Kraus, Sebastian 2028 ½ – ½
3 3 Hirn, Erwin 2001 3 Kittler, Alexander 2029 ½ – ½
4 4 Simon, Martin 1877 4 Adelhütte, Dennis 1985 1 – 0
5 5 Niebler, Andreas 1851 5 Braun, Kristin 1942 ½ – ½
6 6 Mösl, Sebastian 1773 6 Bachhuber, Dominik 1936 0 – 1
7 8 Brunner, Wolfgang 1843 7 Roß, Thomas 1906 0 – 1
8 18 Hierl, Johannes 1566 8 Roß, Sandra 1793 0 – 1
Schnitt: 1863 Schnitt: 1964  

    


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