Damdamdamdaaaaaaam – Corona hin, Corona her, am Ende des Tages ging es nach einem Jahr Pause endlich wieder los! Mit Action, Spaß und viel Motivation traten wir nach mehr oder minder chaotischen Zuständen in der Liga zur 1. Runde daheim gegen SK Rothenburg I an (was uns dann 5 Tage vor Start auch endgültig zugesagt wurde). Mit 3G-Regel im Gepäck und dem Willen, der B1 zu zeigen, dass wir nicht mehr in die B2 wollen, flogen die Talente ein (z.T. sogar aus Prag, natürlich topfit), und so traten wir in TOP 8-Besetzung an. Völlig verdaddert stellten wir noch fest, dass ein nominelles Favoritenaufstiegsspiel vorlag (äääh, bitte was?) – dabei ging es doch nur um das Schachspielen… wie dem auch sei: Party war angesagt!

Rothenburg I konnte nicht in Topbesetzung antreten (gut für uns), kam aber trotzdem mit einer auf gar keinen Fall zu unterschätzenden Truppe (schlecht für uns). Nach einem Jahr Pause mussten wir uns auch erstmal wieder an so viele Dinge gewöhnen – Handy aus, still sein beim Spielen, nicht zocken. So viele Regeln. Und dann war da noch die Frage – wer hat das Jahr Pause genutzt, um was für sein Schach zu tun? So viele Dinge.

Genug gelabert – let’s dive in! Dennis Vorbereitung auf Brett 4 war nach genau 3 Zügen schon wieder hinüber, als statt allen möglichen antizipierten Eröffnungen ein Benoni da stand (bäh) und mehr aus den Untiefen eines nicht vorhandenen Hirns noch irgendwelche Eröffnungszüge rausgekramt wurden. Dafür konnte Kristin auf Brett 5 ihre absolute Lieblings-Eröffnung, den Drachen, nicht wie vorbereitet, aber einfach wie gewusst, auf‘s Brett donnern und hatte früh die echte Party am Brett (auf deutsch: kein Zuschauer verstand was). Früh eine Figur geopfert, früh Angriff… puh, what a lot of fun für die Zuschauer (meine armen grauen Haare). Auch Domi hatte nicht wirklich was übrig für Dennis Haarfarbe und positionell spielen war wie üblich ziemlich out und in einem Sizilianer ging‘s ziemlich schnell zur aggressiven Sache, aber immerhin mit ganz ordentlicher Stellung für uns. Also: Im Mittelbau sah es doch recht charmant aus. Yay!

Im Vorderbau, a.k.a Brett 1, 2 und 3, ging es mit diversen Königsgambits und Nimzo-Indern auch früh ins Tal der mystischen, für Zuschauer und Mannschaftsführer nicht nachvollziehbaren, Eröffnungen (so werd ich niemals wieder jünger). Gerade bei Alex an Brett 3 wurde sehr früh sehr viel Zeit verbraten und zwischendurch war mal eine Qualität mehr da, aber dafür ein offener König. Also total entspannt alles! Bei Seba an Brett 2 war auch alles total entspannt – Raumvorteil, Bauernzüge, Gegner einschnüren. So wie man es nach einer Beförderung auf Brett 2 auch erwartet. Also auch hier. Pardey! Weniger zur Freude war allerdings unserem Spitzenbrett zumute, als er sich kurz vor dem 20. Zug kolossal verrechnete und leider mit einem Minusbauer statt mit geplantem Vorteil rauskam. Und der Bauer war auch noch ziemlich weit vorne im schwarzen Lager (was schlecht war, weil Martin Schwarz hatte. Jeez.). Hätte er seinen Zug einen Zug vorher ausgeführt, wäre wohl alles gut gewesen (wenn sich meine brillante Kurzanalyse im BlaBlaBus nicht als völlig unnütz rausstellt). Damit waren bei Martin die Daumenschrauben angelegt…

Im Unterbau (das hört sich irgendwie negativer an als gedacht, aber Hinterbau ist schon ein sehr hässliches Wort) hatte Familie Roß auf Brett 7 und 8 auch alle Hände voll zu tun und hatten die fast schon undankbare Aufgabe, unsere Scorer werden zu sollen. Sandra hatte mit ihrem Gegner vor ein paar Jahren gegen die Zweite von Rothenburg in der B2 schon das Vergnügen (leider eine nicht gerade schöne Erinnerung, nono) und wollte diesmal unbedingt gewinnen. Der Gegner spielte einen grundsoliden Aufbau, gegen den sich Sandra mühelos aufbauen konnte und praktisch von Anfang an den Ton angab (und wehe, mir wird hier widersprochen). Bei Thomas war es genau anders herrum – in einem Skandinavier gab sein Gegner den Ton an und Thomas kam nie wirklich großartig in die Partie rein. Dann irgendwie doch. Und dann irgendwie doch wieder vergeben. So kompliziert, dieses Schach spielen…

Wie dem auch sei: An allen 8 Brettern war eine der B1 würdige Party angesagt. Nur sollte das auch gut für uns ausgehen (wer will schon Trauer-Partys). Bei Dennis lief die Zeit massivst davon (Stellung verkomplizieren mit eh schon wenig Zeit? Check!), auch bei Domi wurde die Stellung mit Mehrbauern massivst chaotisch (Unsicherer König? Check!) und bei Kristin musste sich das Opfer noch durchsetzen. Und dann auf einmal – Ringringring. In all der 3G-Vorbereitung-whatever gab das Handy von Kristins Gegner Geräusche von sich, was es nach Regelwerk freilich nicht durfte (es hatte ja aus zu sein). Der Mannschaftsführer (also ich, yay) hatte dann die unwürdige Aufgabe, die Partie als verloren zu werten, because rules are rules. Das ist natürlich irgendwie echt doof gelaufen (gerade in der ersten Partie nach einem Jahr), aber als kleiner „Trost“: Kristin stand schon -8 besser und musste praktisch nur noch das Matt finden…. Wie dem auch sei: 1:0 für die Talente!

Thomas erhielt (zur eigenen Verwunderung) ein Remisangebot seines Gegners. Als Dennis einen Bauern gewann und den Gegner positionell erdrückte, nahm Thomas dieses dann auch an. War auch genau richtig – in Dennis Zeitnot beschleunigte sein Gegner beim Versuch, seine Stellung zu entknoten, den Vorgang durch eine Bauerngabel, durch die er eine Figur verloren hätte. Das ließ er sich nicht mehr zeigen und gab auf. Und da auch Seba seinen Angriff mit Bravour zu Ende brachte und den König über diverse g-Linien (gibt nur eine, hört sich aber besser an) massiv belästigte, gab auch dieser auf. Huch? Sehr unerwartete und plötzliche 3,5:0,5 für uns! Ja hallöchen, das ist doch mal was…

Trotzdem, ein Brettpunkt (oder zumindest ein halber) musste noch her. Während Domis Stellung nach einem „Da kann noch alles passieren und es wird auch alles passieren“ aussah, stand Martin mittlerweile ziemlich klar auf Verlust (und damit meine ich: keinem war irgendwas klar, aber es sah wirklich nicht mehr gut aus). Dafür bekam Alex ein Remisangebot in immer noch minimal maximal unübersichtlicher Stellung, was dieser in Anbetracht des Punktestands auch annahm. Damit: 4:1!

Und eine Sandra, die sich mittlerweile auf Brett 8 eine klar bessere Stellung mit Mehrqualität einverleiben konnte. Die Sache schien gegessen. Well…

Leider wurde es nun im Chaos doch eher ungünstig für uns: Martin konnte sein Endspiel nicht mehr halten und büßte eine glatte Figur ein, um Mister Freibauer aufzuhalten, wie er zu einer Madame werden wollte. Das war freilich zu viel und damit eine Niederlage. Und auch Domi musste seinen König auf seinem semisicheren Versteck rausholen, als zu viele Diagonalen und Linien geöffnet wurden. Der Gegner ließ nicht lange auf sich warten und setzte Domi schon ein bisschen hübsch Matt (schon ein bisschen gemein). Keine Party: 4:3!

Nun lag es also an Sandra, nach dem 40. Zug ihren Materialvorteil in etwas Zählbares umzuwandeln. Da wurde dann auch nicht mehr lange gefackelt – als ein etwas weniger geglücktes Bauernpaar getauscht wurde, entschied sich Sandra kurzerhand für die Friedenspfeife, welche ihr Gegner mit ihr rauchte, da die Stellung vielleicht haltbar, aber praktisch nicht gewinnbar war (außer man fällt vom Brett. Oder so).

Damit der Endstand: 4,5:3,5!

Na halleluja, das kann sich doch sehen lassen – dem Absteiger aus der Regional-Liga ein Schnippchen geschlagen und gleich mal gesagt „Wir sind da!“. Ist doch schön! 🙂 Den Abend ließen wir dann noch mit italienischem Essen ausklingen und freuten uns auf die kommenden Herausforderungen…. OK, genug positives Gesülze. Beim nächsten Spiel (beim Schreiben dieses Berichtes: morgen) geht es gegen SW Nürnberg Süd III, mit denen wir eine Semi-Rechnung offen haben. Was bitte? Nun ja, erstmal ist Süd III der Aufsteiger aus der B2b, also gilt es hier sowieso, etwas zu beweisen (was auch immer das sein soll). Außerdem haben wir letzte Saison gegen Süd IV verloren und (Coronabedingt?) haben sich Süd III und Süd IV zu einer Mannschaft zusammengetan und wir sehen ein paar alte Bekannte wieder. Also: Rechnung begleichen. Und: PARTY!

Einzelergebnisse:

3 SC JÄKLECHEMIE 1 DWZ SK Rothenburg 1 DWZ 4½ – 3½
1 1 Killmann, Martin 2096 2 Engelmann, Wolfgang 2036 0 – 1
2 2 Kraus, Sebastian 2028 3 Diller, Peter 2041 1 – 0
3 3 Kittler, Alexander 2029 4 Kaiser, Harald 1968 ½ – ½
4 4 Adelhütte, Dennis 1985 5 Zeltner, Gottfried 1939 1 – 0
5 5 Braun, Kristin 1917 7 Zeltner, Ottmar 1859 1 – 0
6 6 Bachhuber, Dominik 1936 8 Tapia-Egoavil, Carlos 1810 0 – 1
7 7 Roß, Thomas 1906 14 Diller, Andreas 1755 ½ – ½
8 8 Roß, Sandra 1793 16 Beller, Johann 1649 ½ – ½
Schnitt: 1961 Schnitt: 1882  

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