Nach der vorangegangenen, ausgesprochen erfolgreichen Runde gegen SW Nürnberg Süd und der etwas holprigen, aber ebenfalls erfolgreichen Runde gegen die SG Büchenbach/Roth, ging es nun gegen den Zweitplatzierten TSV Cadolzburg. Cadolzburg war etwas überraschend auf dem zweiten Platz – in der Vorsaison waren sie lange abstiegsgefährdet.
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In dieser Saison rumpelten sie sich mit bislang 8:2 Mannschaftspunkten aber sehr erfolgreich durch die B2 und haben Heilsbronn noch vor sich – hatten den Aufstieg also selbst in der Hand. Allerspätestens als ihr Brett 1 sein Debüt in dieser Saison gab, war klar: Ja, die meinen es ernst.
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Wir selbst traten nicht in Topbesetzung an, hatten mit Kristin Braun aber einen mehr als adäquaten Ersatz auf Brett 8. Insgesamt waren wir um etwa 100 Punkte Favorit.
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Nun würde der Autor gerne behaupten, dass es „wie immer“ gut los ging. Vielleicht war es die Anspannung und der eigene Druck, aber es ging so überhaupt nicht gut los.
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Kristin musste sich an Brett 8 mit der ihr alles andere als sympathischen Alapin-Variante gegen ihren Sizilianer herumschlagen (1.e4 c5 2.c3!?). Eigentlich eine recht harmlose Abfolge, sie widerstrebt aber dem Hauptanliegen des Sizilianisch-Spielers: LeChaos. Vielleicht im „Ich will aber doch Chaos“-Modus ließ Kristin dem Gegner etwas zu viel Spiel und die Stellung wurde schnell unangenehm.
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Sebastian Kraus an Brett 4 erwischte keinen guten Tag, jedenfalls was seine Eröffnung betraf. Im Spanier meist recht sicher auftretend, konnte er sich in einer zwar bekannten, aber chaotischen Variante (Kristin und Seba hätten hier bestimmt zwischendurch gerne getauscht…) nicht komplett an die korrekte Fortsetzung erinnern und musste sich schnell einer extrem unangenehmen Stellung mit Minusbauern stellen.
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Nun ja, der Rest war wenigstens ausgeglichen bis leicht besser – Sandra Roß musste sich an Brett 7 mit einem Franzosen rumschlagen und wählte wie gewohnt den Abtauschfranzosen, in dem schnell die Damen getauscht wurden. Auch Dennis Adelhütte musste sich an Brett 2 mit einem Abtauschfranzosen herumschlagen (man betont: Sandra wählte ihn, für Dennis wurde gewählt. 🙂 ) In der Antwort 4…Sc6 kannte Dennis die Theorie nicht mehr wirklich genau und nach Läufertäuschen und beidseitiger Rochade entstand eine ausgeglichene Stellung.
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Alexander Kittler an Brett 3 und Martin Killmann an Brett 1 wählten gegen die theorielastigen Sizilianer und Grünfeldinder dieser Welt scharfe Antworten und machten von Anfang an Dampf. Thomas Roß an Brett 5 stand besser und übte Druck auf den Gegner aus und bei Dominik Bachhuber an Brett 6, welcher gegen den Spitzenreiter der Liga (5/5!) antrat, ging es kompliziert und scharf zu.
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Viele unklare Stellungen, einige schlechtere, einige bessere Stellungen – so die Bilanz nach 2 Stunden. Daraus könne man ja was machen, könnte man meinen. Die Gegner meinten das aber auch – Dennis ließ den Gegner über eine offene Linie einbrechen und unterschätzte die Möglichkeiten. Er hätte einen Bauern opfern können für Kompensation und gegnerische semi-eingesperrte Türme, dachte aber „Ne, ist blöd.“ und wollte auf Verteidigung spielen. Doof nur, dass er einen Zwischenzug einen Tick zu spät bemerkte und statt einem Bauern zwei hinten war – und das mit so gar keiner Kompensation…
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Auch Sandra übersah einen Bauernvorstoß des Gegners (taktischer Natur) und entschied sich, anstatt sich ein schlechtes Zentrum einzuhandeln, für eine schlechtere Bauernstruktur – das aber mit sehr wenig Zeit. Als Kristin ein Remisangebot in schon schlechterer Stellung ablehnte und der Gegner einen Freibauern auf der 6. Reihe bekam, wurde einem schon ein wenig mulmig.
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Auch bei Seba hätten mittlerweile einige Figuren durch die Gegend fliegen können – leider nie besonders schmeichelhaft für uns und bei Thomas verflachte die Stellung gefährlich nahe ins Remis. Einzig bei Alex und Martin wurden die Stellungen immer deutlich besser für uns und auch Domi fühlte sich sichtlich wohl.
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Nach knappen drei Stunden sah es also insgesamt alles andere als rosig aus. Dann der Aufatmer, als Kristin den Freibauern über ein Grundreihenmotiv wegtauschen konnte und nicht viel später per Damengabel noch einen dazu gewann. Als sie noch weiter die gegnerische Grundreihe attackierte, dachte der Gegner in einem Blackout, er würde Matt oder eine Schwerfigur verlieren – was aber nicht der Wahrheit entsprach. Aufgegeben hat er dennoch… 1:0, die Erleichterung!
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Nicht viel später blies Dennis zum Gegenangriff und schickte alle verbliebenen Figuren Richtung gegnerischer König. Freilich war die Stellung klar verloren, der Gegner setzte jedoch im falschen Moment auf „sichere Stellung“ und Dennis gelang es wie aus dem Nichts per Figurenopfer ein Dauerschach zu konstruieren, aus dem der Gegner nicht mehr herauskam (außer, er wolle Matt werden). Kurz vorher konnte Alex eine Figur gewinnen und seinen Angriff erfolgreich zu Ende führen – und es stand 2,5:0,5!
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Na also, so sollte das sein. Martin hatte eine immer klarer bessere Stellung, Thomas seine Remisstellung und Domi sein Chaos. Auch Sandra gelang es durch geschicktes Manövrieren ihre Zeitnotstellung zu halten und ein reines, nicht schlechteres Turmendspiel zu erhalten.
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Dann leider der kleine Dämpfer – gerade als Thomas Lichtblicke sah, seine Stellung noch zu gewinnen, ließ er seinen Turm stehen, der dann einfach geschlagen wurde. Frechheit. Mach dir nichts draus, Thomas – oft genug hast du praktisch totremise Stellungen für uns gewonnen, da kann das auch mal anders rum passieren… 🙂
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2,5:1,5 hieß es nun also, also immer noch – in Anbetracht der verbleibenden Stellungen – ein mehr als bequemer Vorsprung. Einzig bei Seba war nach wie vor eine sehr wacklige Stellung mit Minusbauern zu halten; jedoch weigerte sich der Gegner, die Figuren, die Seba stehen ließ, zu nehmen.
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Sandra schaffte es indes, in ein Bauernendspiel abzuwickeln – und in dieser Stellung dachte das allgemeine Publikum, dass es für Sandra gewonnen sei, womit der Sack wohl zu gewesen wäre. Dachte man. Leider schaffte es Martin seinen mittlerweile gigantischen Vorteil von +7 mit einem Schlag herzugeben, als er sich auf die falsche Weise wehrte – eigentlich hatte er einen Bauern mehr, gab diesen bei einem Schach jedoch her, anstatt mit dem Freibauern das Spiel zu entscheiden, womit die Stellung sofort in den Ausgleich kippte.
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Währenddessen spielte sich Domi stark einen positionellen und materiellen Vorteil heraus. Leider ging dabei viel Zeit flöten und als die Stellung langsam kippte, wollte er ein Dauerschach geben, übersah aber, dass bei seinem Figurenopfer eine Figur hing. Und auf einmal stand er glatt auf Verlust. Und auch bei Seba wurde es nach einigen Figurenabtäuschen ein Leichtfigurenendspiel mit Minusbauer, was auch nur schwer – aber nicht unmöglich – zu halten schien.
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Nach wie vor größte Anspannung, auch wenn, wie schon die ganze Zeit, die Waagschalen immer einen Tick gegen uns zu sein schienen. Was sich nicht ändern sollte – Domi verlor seine mittlerweile klar verlorene Stellung und wurde Matt gesetzt – 2,5:2,5.
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Nun lag es an Sandra, Seba und Martin wenigstens 1,5 Brettpunkte nach Hause zu holen. Leider war das Bauernendspiel bei Sandra doch nur Remis, den folgenden Schlüsselzug 50. … b5+ übersah quasi das gesamte Publikum:
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Sämtliches Gespieße und Geschache hätte im Damenendspiel nichts gebracht – Remis.
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Martin ging nun im Endspiel auf totalen Frontalangriff und ließ sich auf ein ziemlich gefährliches Freibauernwettrennen ein. Das war aber auch bitter notwendig, da Seba sein Endspiel trotz aller Mühen nicht halten konnte. 3:4!
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Nun lag es an Martin, das Unentschieden zu retten. Leider schien es an diesem Tag einfach nicht sein zu wollen – erst war ein Bauer weg und in beidseitiger Zeitnot war es der Gegner, der die Übersicht behielt und überhaupt das Endspiel extrem stark behandelte. Als beide Parteien ihre Freibauern laufen ließen, dachte Martin, er könne den gegnerischen aufhalten – übersah aber, dass so eine Figur per Spieß weg wäre.
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Leider war das Spiel damit praktisch vorbei – mit dem Wissen, dass ein Remis zum Mannschaftssieg ausreichen würde, opferte der Gegner die Figur für ein T+2B gegen T-Endspiel, was man praktisch nur verlieren könnte, wenn man vom Stuhl fallen würde. Das ließ sich Martin auch nicht mehr zeigen und damit war die Niederlage besiegelt. Fazit: 3:5!
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Autsch, das tat richtig weh. Wir ließen sehr viele Chancen ungenutzt und zumindest ein 4:4 war mehr als nur realistisch. Aber – wie so oft diese Saison – taten wir uns mit der Stellungs- und Chancenverwertung unnötig schwer und müssen eingestehen, dass die Niederlage unnötig, aber doch verdient war.
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Nun, war es das mit dem Aufstieg? Aus eigener Kraft – definitiv ja; Heilsbronn blieb gegen Dinkelsbühl siegreich und hat mittlerweile 3 Mannschaftspunkte Vorsprung auf uns, Cadolzburg liegt auf Platz 2 mit 2 Mannschaftspunkten Vorsprung. Wir selbst sind auf Platz 4 relativ abgeschlagen und spielen nächste Runde gegen die SG Ansbach/Bad Windsheim, welche nach einem 4:4 gegen die SF Fürth auf Platz 3 liegen.
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Momentan sieht also alles nach einem Finale zwischen Heilsbronn und Cadolzburg in der letzten Runde aus – wobei das letztes Jahr auch über uns und die SG Fürth gesagt wurde… uns bleibt nun nichts anderes übrig, als die nächsten drei Runden unser bestes zu geben. Auf die Schützenhilfe werden wir erst nach dem nächsten Match hoffen – denn unsere eigenen Hausaufgaben sollten wir erledigen, bevor wir anderen auf die Finger schauen. Also lasst uns das tun!
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Tabelle                  Einzelstatistik                 Letzter Spieltag  
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