Zuletzt am 16. März 2026 aktualisiert
Am Internationalen Weltfrauentag fand auf Lichess das Online-Turnier “Mut zum Zug” statt. Insgesamt nahmen 32 Frauen und Mädchen teil und spielten fünf Runden im Schweizer System mit einer Bedenkzeit von 7 Minuten plus 5 Sekunden Inkrement.
Das Teilnehmerinnenfeld war bunt gemischt: Von Einsteigerinnen ohne DWZ bis zu Spielerinnen mit etwa 1600 DWZ war alles vertreten. Auch altersmäßig war das Turnier breit aufgestellt – die jüngsten Teilnehmerinnen waren 7 Jahre alt, die älteste 58.
Ich habe ebenfalls an dem Turnier teilgenommen und werde im Anschluss einige meiner Partien und Eindrücke vorstellen. ( Offizieller Bericht: https://www.deutsche-schachjugend.de/news/2026/mut-zum-zug-32-teilnehmerinnen-beim-online-turnier-zum-weltfrauentag/ )
Turnierlink: https://lichess.org/swiss/INciP8bd
Partien
Die ersten drei Partien waren eigentlich recht unspektakulär, denn wie es bei Turnieren mit schweizer System so üblich ist, spielte ich erstmal gegen die untere Hälfte.
In der ersten Partie spielte ich schwarz und befand mich in der klassischen Caro-Kann-Verteidigung nach
1. e4 c6 2. d4 d5 3. Sc3 dxe4 4. Sxe4 Lf5 stand ich nun dem etwas ungewöhnlichen Zug 5. f3 gegenüber, was ich zumindest so noch nie gesehen hab. Ich nahm den springer und hebelte mit e5 das Zentrum an. Die weitere Abfolge hat mich eher daran zweifeln lassen, dass meine Gegnerin ein Taktikgenie ist, daher entschied ich mich für eine aggressivere Spielart. Nach 5…Bxe4 6. fxe4 e5 7. Nf3 exd4 8. Nxd4 Qh4+ 9. g3 Qxe4+ 10. Be2 hat sich das Spiel dann im wesentlichen erledigt. der Turm hängt und man steht mehr als angenehm. Win.
In der zweiten Partie war nach 1. e4 b6 bereits klar, die Gegnerin hat keine großen Ambitionen. Ich nahm also das Zentrum ein und entwickelte mich gemütlich. 2. d4 Bb7 3. Nc3 e6 4. Bd3 Nf6 5. Nf3 Bb4 6. Qe2 O-O 7. O-O. Nach einem von der Gegnerin intiierten Figurentausch hab ich dann nach 7.. Bxc3 8. bxc3 d5 9. e5 Ne4 10. Bxe4 dxe4 11. Nd2 Qd5 12. Bb2 ein doch recht starkes Zentrum und wenig Angst. Die Partie plätschert so vor sich hin, doch in der Stellung r2r2k1/1b1n1ppp/4p3/1p2P3/8/q4N2/P3QBPP/2R1R1K1 w – – 2 24 wittere ich eine Chanche. Ich hatte Phantasien mit Sg5 Dh5 was gar nicht so leicht zu verteidigen ist, wenn man es zu spät sieht. Die Maschine moniert hier, dass Weiss nicht besonders steht, aber es sind ja immer noch Menschen, die da spielen. Also 24. Ng5, was aber von meiner Gegenspielerin scheinbar überhaupt nicht als Drohung aufgefasst wurde, sie antwortete mit 24..Ra5 was nun aber eben 25. Dh5 zulässt und damit ist die Partie eigentlich gelaufen. Auf h6 folgt Dxf7 und ich gewinne den Springer nachdem die Gegnerin sich mit Tf8 verteidigt. Win.
Partie Nummer drei: Wieder Caro-Kann, wieder Hauptvariante, diesmal länger in der Theorie. Hier wurde erst mit 13. a3 abgewichen. In der Stellung 2kr3r/pp2bpp1/2p1p2p/q3P2P/8/P1P3N1/1P2QPP1/2KR3R b – – 0 18 entschied ich mich einfach aggressiv zu opfern, ich hatte das Gefühl, dass midnestens Remis drin sein würde nach Lxa3 bxa3 Dxa3+. Also fuhr ich fort, tauschte erst einen Turm und spielte dann schnell und selbstbewusst: Txd1+ 19. Txd1 Lxa3 20. bxa3 Dxc3+ 21. Kb1 Db3+. Hier allerdings patzte die Gegnerin und spielte atempo 22. Qb2, was nun den ganzen Turm gewinnt und die Partie damit zu Ende geht. Win.
Die vierte Partie sollte ein Grand-Prix-Angriff auf Umwegen werden. Völlig ignorierend, dass ich nicht in meine Variante komme, hab ich einfach trotzdem meine Züge gespielt und lande nach 1. e4 c5 2. Nc3 g6 3. f4 Bg7 4. Nf3 Nc6 5. Bb5 Nd4 6. d3 Nxb5 7. Nxb5 Qa5+ 8. Nc3 d6 9. Bd2 Nf6 10. O-O O-O 11. Qe1 b5 12. Nd5 Qd8 13. Ba5 Qd7 14. Nxf6+ Bxf6 15. Rb1 Bb7 16. Bc3 Bg7 17. Bxg7 Kxg7 18. Qh4 e6 19. f5 in einer interessanten Stellung. Es droht f6 nebst Sg5 was schon sehr tödlich aus sieht, man muss den Bauern also irgendwie nehmen, am besten mit dem e Bauern. Nach einigem Überlegen, spielte die Gegnerin aber h6?? was nun f7+ Kh7 Sg5+ nebst Dxh6 und Mattdrohung zulässt. Win.
Das letzte Spiel es geht um das Treppchen. Caro-Kann diesmal in einer Zwei-Springer Variante. Eigentlich eine recht normale Partie, aber nach 1. e4 c6 2. Nc3 d5 3. Nf3 dxe4 4. Nxe4 Nf6 5. Nxf6+ exf6 6. Bc4 Bd6 7. Qe2+ Qe7 8. d4 O-O 9. Qxe7 Bxe7 10. c3 Bf5 11. Bf4 Re8 12. O-O Nd7 13. Rfe1 Nb6 14. Bb3 Kf8 15. a4 Rad8 16. a5 Nd5 17. Bd2 Bd6 18. Rxe8+ Rxe8 19. Bc4 Nf4 20. g3 Nd5 21. Nh4 Bd7 22. Ng2 Be6 23. Bf1 c5 24. c4 spielte ich optimistisch Sb4, was mich in Probleme kommen ließ und ich so die d und c Bauern völlig unterschätzte. Nach 24. c4 Nb4 25. Bxb4 cxb4 26. c5 Bc7 27. Ne3 Rd8 28. Rd1 b6 29. d5 Bc8 30. d6 stand ich schon so schlecht, dass mir klar war, dass ich nicht mehr gewinnen konnte. Es folgten noch Mouseslip Hoffnungen, aber letztendlich hab für den Fehler bezahlt und musste mich geschlagen geben. Damit ergab sich ein geteilter dritter Platz mit 4/5 und 10 Buchholz. Ein ominöses Überraschungspaket wird mich wohl postalisch noch erreichen.
Insgesamt ein schönes und sehr entspanntes Event, was sich hoffentlich wiederholt.
