Zuletzt am 11. Januar 2026 aktualisiert
Neben diversen Weihnachtsturnieren gab es auch noch die offizielleren Geschichten rund um Weihnachten: Die deutschen Amateurmeisterschaften und die Kreiseinzelmeisterschaft Mittelfranken Mitte. Beide Turniere führen (über lange Wege) zur deutschen Meisterschaft und zu solchen Dingen wie den Titeln “Deutscher Meister”. Und bei beiden konnten wir dieses Mal gut absahnen.
DSAM-Qualifikationsturnier in Bonn
Bei der DSAM geht der Weg zum “deutschen Meister” quasi direkt – man lande bei einem der 7 Qualifikationsturniere unter den ersten 7 in seiner Gruppe und gewinnt dann die Final-Runde im Sommer.
Unser Verein ist dort doch vergleichsweise oft gesehen, nach Bonn am Wochenende vor Weihnachten verschlug es in der B-Gruppe (TWZ 1901-2100) Dominik Bachhuber und in der D-Gruppe (TWZ 1601-1750) Tim Bursian. Für Dominik lief es dabei sehr gut – auf 49 gesetzt bekam er nur in der ersten Runde eine nominell schwächere Gegnerin, und ansonsten nur 2000er. Gegen diese holte er 2,5 Punkte, so dass es mit seinem Erstrundensieg zu stolzen 3,5 Punkten reichte. Die Qualifikation mit einem Sieg wäre mit Platz 8 zwar trotzdem haarscharf verfehlt gewesen, aber so oder so: eine starke Leistung! Und in Ingolstadt gibt es ja eine neue Chance…
Wer diese neue Chance nicht benötigt, ist aber Tim. Mit einer DWZ von 1729 auf 7 gesetzt, gehörte er definitiv zum Favoritenkreis – was aber bei einer Gruppe, bei der Spieler:innen maximal 149 Punkte voneinander getrennt sind (mit wenigen Ausnahmen, bei denen jemand zum Stichtag noch die passende TWZ hatte, danach aber darunter oder darüber sein kann), nicht wirklich aussagekräftig ist. Umso erstaunlicher, dass Tim das alles sowas von egal war. Nach einem Sieg in Runde 1 hatte er in Runde 2 etwas Glück, dass sein Gegner einen Materialgewinn ausließ und Tim sogar sogar noch den ganzen Punkt einheimsen konnte. In der 3. Runde war es bis auf einen Schönheitsfehler ein Start-Ziel-Sieg, bei welchem der Gegner positionell an die Wand gedrückt wurde. In der 4. Runde fand sich Tim dann mit 3/3 schon am Spitzenbrett wieder und musste sich mit den schwarzen Steinen einem Londoner System auseinandersetzen. Er stand recht schnell besser, opferte aber dann sein Springerpaar für einen Turm und 2 Bauern, wodurch Weiß zurück ins Spiel kam. Erst im damenlosen Endspiel dominierte Tims Turm die beiden Springer und das Opfer zahlte sich mit einem ganzen Punkt noch aus. Hatte Tim natürlich genauso geplant 😉
Mit 4/4 war die Qualifikation schon gesichert, aber dann kann man auch gleich auf 100% spielen. Und das war der wohl glatteste Sieg (befreit aufgespielt?): Mit einem Trompowsky direkt drauf gehauen, und drauf gehauen, und drauf gehauen – bis nichts mehr übrig war als der 5. Sieg in 5 Runden! Neben dem ersten Platz mit einem halben Punkt Vorsprung bedeutete das auch ein ELO-Plus von 33 und ein DWZ-Plus von 57 (Leistung: 2341). Eine hervorragende Leistung, die für 2026 auf Großes hoffen lässt – natürlich auch für die Finalrunde Ende Juli in Dresden (sofern sie denn da stattfindet).
Im Folgenden findet ihr auch noch 4 Live-Partien:
Runde 2: Dr. Andreas Gerlach – Tim Bursian
Runde 3: Tim Bursian – Gilbert de la Chevallerie
Runde 4: Vitaliy Sviridov – Tim Bursian
Runde 5: Tim Bursian – Oskar Merle
Hier geht es zur Turnierseite und Tims Einzelergebnissen.
Siegerbild D (Quelle: Deutscher Schachbund – Tim ganz links, versteckt seine Trophäe):

Kreiseinzelmeisterschaft Mittelfranken-Mitte
Seit 2017 findet die KEM im Südstadtforum bei Nürnberg Süd statt. Unter den 60 Teilnehmer:innen fanden sich diesmal 6 Talente ein: die Youngster Eshwar Ashrith Marotu (ab Runde 2) und Oguz Faruk Yanpala, Alisa Holzmann, Julia Nesmjanowitsch, Steffen Pohl und Dennis Adelhütte. Letzterer war dabei mit einer DWZ von 2091 auf 1 gesetzt, hatte aber mit Peter Erlbeck (Nürnberg Süd), Dr. Hubert Seibold (SK Zirndorf), Irfan Redzepovic (Nürnberg Süd) und Albert Lemba (Noris-Tarrasch Nürnberg) mehr als genug Konkurrenz – gerade Albert und Irfan waren nur knapp hinter Dennis gesetzt.
Gut gestartet und dann die Zügel locker gelassen
Julia und Steffen starteten gut in ihre Turniere – Julia gewann in der 1. Runde prompt gegen den auf 9 gesetzten Achim Augustin (Nürnberg Süd), welcher fast 300 DWZ mehr aufs Papier bringt! Sollte übrigens Achims einzige Niederlage bleiben in dem Turnier. Dafür war Julia dann erstmal mit starken Gegnern bedient, und nach zwei Folgeniederlagen stellte sie im Vereinsduell gegen Oguz gleich in der Eröffnung eine Figur ein. Es folgte zwar nochmal ein Sieg, im nächsten Vereinsduell gegen Alisa gab es nach komplizierter Eröffnung aber auch eine Minusqualität, wobei sich Julia hier vielleicht zu früh geschlagen gab. Mit dem Schlussremis endete das Turnier mit 2,5 Punkten und Rang 47 trotz starkem Start leider unter den Erwartungen – aber das Jahr ist ja noch lang!
Steffen fing die ersten beiden Runden mit Siegen an, wobei er – zumindest nach eigenem Empfinden – für die Siege deutlich mehr strecken musste (“Mein Schach sollte illegal sein”), als wohl nötig gewesen wäre. In der 3. Runde gab es nach über 10 Jahren das erste Langzeit-Duell Pohl-Adelhütte, in welchem Dennis kurz vor dem 20. Zug eine Möglichkeit für großen Vorteil ausließ. Im Doppelturmendspiel (Steffen noch ein Läufer, Dennis einen Springer) war Dennis die ganze Zeit leicht im Vorteil, und mit knapper Zeit von Steffen wurde dieser immer größer – und als die letzte praktische Chance per Turmopfer liegen blieb, machte Dennis den Sack zu. Dann gewann Steffen noch die 4. Runde und hatte mit 3/4 definitiv noch Chancen für die TOP3, als er in Runde 5 gegen den Youngster Jonas Heemann (SK Nürnberg 1911) eine etwas zu wilde Konstruktion wählte und in den taktischen Verwirrungen den kürzeren zog. In Runde 6 ging es mit Mehrbauer dann – auch wieder in knapper Zeit – nur noch in ein Remis, und die letzte Runde tat er sich dann nicht mehr an. Damit Rang 27 mit 3,5/6!
Erfahrung dominiert Youngster’sche Talente
Auf 57 gesetzt startete Eshwar krankheitsbedingt erst in Runde 2 an. In der Natur der Sache liegt als 57 unter 60, dass man eigentlich nur stärkere Gegner bekommt. Sehr schnell spielend verlor Eshwar auch noch Runden 2-4, und in Runde 5 kam dann das Freilos. Dann aber: In Runde 6 ließ sich sein Gegner Ivo Sarvevic auf das Geblitze mit ein und Eshwar konnte gegen den über 200 Punkte stärkeren Gegner einen ganzen Punkt einfahren! Damit tat auch die Schlussniederlage im Vereinsduell gegen Oguz nicht mehr so weh, und Eshwar landete mit 2/6 auf einem guten 55. Platz! Und nebenbei ein sauberes DWZ-Plus von 46 eingefahren 🙂
Bei Oguz lief das Turnier quasi wie eine typische Schweizer Schaukel. In der ersten Runde spielte er auf Brett 2 gegen die Nummer 2, Albert Lemba. Sah es zumindest optisch so aus, dass Oguz zu einem vernichtenden Angriff ansetzen könnte, opferte sein Gegner einfach mal einen Turm. Der hießige Zuschauer dachte, dass dies nur die Notbremse sei für ein Dauerschach, aber die daraus folgenden Mattdrohugen waren wohl nur noch über ein Turm-Rückopfer abwehrbar. Oguz übersah die Gefahr und rannte leider sofort ins Matt.
Es folgte die Schweizer Schaukel, bis er in Runde 6 gegen Christian Nüßlein (Anderssen Nürnberg) überraschend unterlag. Mit seinem Schlussrundensieg landete er mit 3 Punkten auf Rang 40 und damit auch hinter den Erwartungen.
2 Talente performen stark
Genau weiß der Autor dieser Zeilen es nicht mehr, aber ein Deal zwischen Alisa und Dennis war schon relativ früh “Wenn ich 1400 habe, bringst du mir Französisch bei!” – Also Dennis bringt es Alisa bei, nicht anders rum… Nach dem Kelheim-Open kurz nach Weihnachten war dieses Ziel auch in greifbarer Nähe; nur noch 30 Punkte würden fehlen. Dass Alisa hier auch direkt ernst machen würde, war direkt in der ersten Runde ersichtlich, als sie dem extrem stark aufspielenden Jugendlichen und späterem Vizekreismeister Tim Müller (Noris-Tarrasch Nürnberg, 5,5 Punkte!) ein Remis abknöpfte. Mit einem Qualitätsopfer gegen Dirk Thoma in der 2. Runde (vielleicht theoretisch nicht korrekt, aber in der Praxis definitiv richtig) und dem folgenden ganzen Punkt war sie mit 1,5/2 und Setzplatz 52 jetzt schon klar über nominellen Erwartungen, da fiel die Niederlage gegen Chili Waschner (Zabo Nürnberg) nach leicht verkorkster Eröffnung nicht so ins Gewicht. In Runde 4 nahm sie einem fast-1800er problemlos ein Remis ab, und auch gegen Thomas Hahn (Zabo Nürnberg) stand sie schon sehr gut, stellte dann aber leider einen Turm ein. Als sie das Vereinsduell gegen Julia gewann, war jetzt schon klar – dat war ein super-Turnier, dat sind die angestrebten 1400!! Die Schlussniederlage gegen Schlafmütze Ba Duc Duong (ja, Schlafmütze, das soll da so stehen) nicht mehr so ins Gewicht. 3 Punkte aus 7 Runden als 7-fache Außenseiterin bringen Platz 37, und ein DWZ-Plus von 80 Punkten! Dann wird es wohl Zeit für Dennis, zu Kreuze kriechen… so darf es bei Alisa sehr gerne weitergehen!
Und dann war da noch Dennis. Mit zwei Kreiseinzelmeistertiteln am Gürtel – 2017 5-fach geteilter Sieger mit 5,5/7 als Nummer 10, 2018 alleiniger Sieger mit 6/7 als Nummer 5 – war es Dennis dritte Teilnahme in 10 Jahren, und die erste als Favorit. Das kann ja auch mal so richtig schief gehen…
Die 1. Runde war dann auch gar nicht mal so unglaublich souverän – Michael Pörzgen (Nürnberg Süd) spielte trotz (oder gerade wegen?) 400 DWZ-Punkten weniger stark auf, und als Dennis eine gute Chance im Mittelspiel ausließ, sah es sogar kurz so aus, dass Michael das Endspiel gewinnen könnte. Erst in beidseitig knapperer Zeit konnte Dennis ein besseres Turmendspiel rausholen, was in der Praxis unglaublich eklig zu verteidigen war. Engine hätte es geschafft, Michael nicht – damit der erste Punkt. Die zweite Partie war dann gegen Norbert Werner (Nürnberg Süd) deutlich souveräner, wobei Dennis auch hier statt 20 Züge Endspielquälen mit Mehrbauer ziemlich direkt hätte gewinnen können (irgendwelche Gespenster lassen hier grüßen). Das gleiche Lied dann auch, wie schon beschrieben, gegen Steffen in Runde 3. In Runde 4 ging es dann gegen den sehr stark aufspielenden Abdullah Levent (Noris-Tarrasch Nürnberg). Eigentlich holte Dennis auch hier einen bequemen positionellen Vorteil aus der Eröffnung, wählte dann aber den falschen Plan – anstatt das machen, was er am zweitliebsten macht (Matt setzen), wollte er unbedingt den entfernten Freibauern durchpeitschen (macht er ja auch am liebsten, also schon irgendwie logisch). Das ging aber dann fast gehörig schief, und in knapper Zeit drohte die Partie sogar ganz zu kippen. Als der Gegner ihm den großen Gefallen tat, die Damen zu tauschen, konnte Dennis entspannt die Zeitnot überstehen, und den ganzen Punkt nicht viel später einheimsen, sogar per Matt (…Kb8 nebst Td8# ließ sich der Gegner nicht mehr zeigen):
Gegen Josef Kanewski (Nürnberg Süd) in Runde 5 verrechnete sich Dennis Gegner in einem Abtauschslawen und verlor bereits früh einen Bauern. Das entstandene Endspiel (Doppelturm sowie 5B+S gegen 4B+L) war aber nicht leicht gewinnbar, weil die Bauern d-h bzw. e-h rumstanden. Josef agierte aber etwas zu unvorsichtig, und beim Versuch, sich eine Festung zu bauen, übersah er einen Einschlag, der ihm einem weiteren Bauern und nicht viel später die Partie kostete.
Mit 5/5 hatte Dennis aber nur einen halben Punkt Vorsprung auf dem Jugendlichen Arthur Papst (Nürnberg 1911), welcher in der 2. Runde auch relativ glatt die Nummer 2 des Turnieres, Albert Lemba, schlug. Und genau diese Runde suchte sich Dennis aus für völliges Schach-Unverständnis: In einer Ragozin-Abtauschvariante (1.d4 Sf6 2. Sf3 e6 3. c4 d5 4. Sc3 Lb4 5. cxd5 exd5) nutzte Dennis eine Eröffnungsungenauigkeit nicht aus, wählte dann den völlig falschen Plan und stand einfach mies. Er konnte eigentlich auch nur zusehen, wie Arthur ihn positionell völlig überrannte – seine einzige Chance war Arthurs weniger gutes Zeitmanagement (kennt sich der Adelhütte ja auch mit aus…). Am Ende ging der Plan sogar auf – Dennis schaffte es, zum Preis von einem Bauern und ordentlich Bluffen, die Stellung zu öffnen, und es entstand nach der Zeitnot eine Stellung, in der Dennis zwar verbundene Freibauern am Damenflügel gegen sich hatte, selbst aber einen Freibauern generieren konnte und v.a. auf den schwachen gegnerischen König losgehen konnte. In der Theorie war Arthur immer noch am Drücker, die Stellung aber deutlich schwieriger, und nach ein, zwei Ungenauigkeiten fuhr Dennis sogar noch den ganzen Punkt ein (Zitat Steffen: “Das sollte illegal sein.”).
Mit 6/6 ging es dann mit Schwarz in der letzten Runde gegen die nominelle 2 Albert Lemba, welcher nach seiner Niederlage gegen Arthur alle Partien gewann. Da Dennis aber 2,5 Buchholz mehr hatte, konnte Albert wohl sehr sicher auch mit einem Sieg nicht mehr vorbeiziehen, würden nicht alle Gegner komplette Arbeitsverweigerung betreiben. Aber Abdullah Levent, Dennis Gegner aus der vierten Runde, hatte auch 5/6 und eine sehr hohe Buchholz und konnte potentiell noch gefährlich werden – um ganz sicher zu gehen, musste also mindestens ein Remis her.
Zu solchen Überlegungen kam es aber im Endeffekt nicht – Albert wählte im Italiener eine Nebenvariante, welche quasi sofort zu Ausgleich führt, und schnell stand das Talent auch angenehmer. Im Versuch, taktische Chancen zu generieren, wurde Dennis Stellung besser und besser, und im 20. Zug unterlief dem jungen Ukrainer ein positioneller Bock, wonach die Partie schon nicht mehr zu retten war. Nach 20. c4?? konnte Dennis einfach 20..Sd4 spielen, und die Drohung von Lc2 (und sonstigem taktisches Gewusel) ist nicht mehr abwehrbar:

Albert spielte hier noch Tc1, und Dennis setzte mit Lg5 fort, gewann die Qualität und nicht viel später die Partie. Noch schöner und stärker wäre aber trotzdem Lc2 gewesen:

22. Txc2 “scheitert” nämlich an 22…b5 nebst Ld8 und der Dame gehen die Felder aus – so war auch Dennis Plan, aber dass Txc2 einfach das d1-Feld der Dame verwehrt, ist schon hübsch.
Damit gewann Dennis auch die letzte Runde und holte sich mit 7/7 den dritten Kreiseinzelmeister-Titel! Im übrigen hätte er sogar verlieren können, da Abdullah überraschend gegen den Vizekreismeister Tim Müller verlor. Das war dann im Übrigen umgerechnet eine Leistung von 2578, ein DWZ-Plus von 43, und das erste mal das Durchbrechen der 2100-DWZ-Schallmauer. Höhö.
Damit ist der Weg zum deutschen Meister ja frei – nun noch die Mittelfränkische und dann die Bayerische gewinnen. Gut, die Mittelfränkische ist ja mittlerweile eh offen, also ist die KEM eigentlich egal… aber wen interessieren schon Details.
Links:
Impressionen (danke an Oxana – Gesamtbild von Homepage Nürnberg Süd):





