Zuletzt am 15. September 2026 aktualisiert
Alle Jahre wieder wandern ein paar Talente ins weit entfernte (?) Ortenburg nahe Passau. Diesmal waren wir mit Domi Bachhuber, Fabi Meulner und Dennis Adelhütte zu dritt. Domi trat im B-Open an (TWZ bis 2000), Dennis und Fabi im A-Open (TWZ über 2000). Gerade im B-Open waren wir gespannt, wie sehr die DWZ-Anhebung das Turnier verzerren würde.
Im B-Open war an sich das frühe Favoritensterben recht auffällig – auch Domi, seinerseits auf Platz 7 gesetzt, verlor gleich in der 1. Runde nach einem Einsteller. Er kämpfte sich mit drei Siegen in Folge zwar zurück (wenn auch mit etwas mehr Glück als wohl gewünscht; so gewann er in Runde 3 ein Turmendspiel mit Minusbauer), und in der letzten Runde wäre mit einem Sieg theoretisch noch das Podest drin gewesen. Leider verrechnete er sich und stand mit einer Figur weniger gegen zwei Bauern da. Das Endspiel war wahrscheinlich einfach verloren, der Gegner spielte jedoch zu ungenau und Domis Festung hielt trotz des Minusläufers. Kleiner Trost: Mit einem Sieg hätte es nur für den undankbaren vierten Platz gereicht.
Im A-Open war auffällig, dass manche (nicht alle) jüngeren 2000er etwas Probleme hatten. Gut für Dennis: Er unterlag in den ersten beiden Runden als Außenseiter (in der 1. Runde wurde er im dritten Ortenburg-Match gegen FM Lukas Stöttner zum dritten Mal zusammengeschoben, in der 2. Runde stellte er plump in aussichtsreicher Stellung per Gabel eine ganze Figur ein). Mit dem folgenden Doppelweiß gegen seine beiden jungen Gegner mit jeweils knapp 2100 TWZ gewann Dennis einmal in einer ausgeglichenen, aber für Weiß angenehmeren Stellung, als der Gegner einen Abzug übersah, und einmal, als er mehrere positionelle Blackouts hatte, der Gegner aber in Panik nach einem vermasselten Turmopfer nicht die richtige Notbremse zum Dauerschach fand. Mit einem versöhnlichen Remis in einem komplett improvisierten Spanier gegen einen Fast-2200er holte Dennis gute 50 % und ein leichtes DWZ- und Elo-Plus.
Auch Fabi erspielte sich 50 %, jedoch seinerseits als fünfmaliger Außenseiter. In der ersten Runde gab es gleich den Paukenschlag, als er den noch jungen FM Benedikt Huber positionell einfach überspielte – einziger Schönheitsfehler war, dass er mit drei Mehrbauern nicht einfach matt setzte. Gegen GM Oleg Korneev hingegen stand Fabi schon nach der Eröffnung nicht gut und sah kein Land – hier könnt ihr die Partie nachspielen. In der dritten Runde spielte er ein gutes Remis gegen Dennis’ Letztrundengegner. In der 4. Runde ging es gegen den dritten Titelträger – FM Roland Schmid -, der bisher kein gutes Turnier hatte. Zwar stand Fabi nach einem improvisierten Gambit zunächst +2 (… Fabi hatte dummerweise Schwarz …), jedoch vergaloppierte sich der Gegner dermaßen, dass Fabi auf einmal einen Mehrbauern hatte, der ein Freibauer war und auf d3 einzog. Dann aber verrechnete sich unser Talent nach der Zeitnot mehrfach, und anstatt per “Notbremse” in ein immer noch sehr gutes Schwerfigurenendspiel zu gehen, überriss er die Stellung, übersah die aktive gegnerische Dame und sah sich gezwungen, in ein Remis-Turmendspiel zu gehen. Das gab der FM auch nicht mehr her. In der letzten Runde gab es dann gegen den vierten Titelträger, CM Alexander Stadler, mit Weiß ein schnelles Remis. Damit neben den starken 2,5 Punkten auch ein wohl ordentliches DWZ- und Elo-Plus.
Gewonnen hat das A-Open die nominelle 1 GM Egor Krivoborodov (SV Deggendorf) mit 4 Punkten vor Moritz Stöttner (SK Landau-Dingolfing) mit ebenfalls 4 Punkten, Krivobodorov jedoch mit minimal besserer Buchholz. Das Podest komplettiert wurde durch GM Oleg Korneev (SAbt SV Werder Bremen) mit 3,5 Punkten. Das B-Open gewann als Setzlistennummer 20 überraschend Daniel Heppt (SC Rote Rüben Leipzig) vor der nominellen 1 Yining Lin (SF Augsburg) und der nominellen 2 Martin Freinecker (SK Töging). Alle Spieler kamen auf jeweils vier Punkte, wobei Heppt die klare bessere Buchholz aufwies.
