Quasi pünktlich zur neuen Saison richtet der SC Stein zum zweiten Mal die Schnellschacheinzelmeisterschaft unseres Kreises aus. Nachdem Dennis Adelhütte die Wochen vorher keine Gelegenheit hatte, sich für die Mannschaftskämpfe einzuspielen, nahm er die wohl letzte Gelegenheit wahr. Gespielt wurde mit einer Bedenkzeit von je 30 Minuten (ohne Aufschlag).
  
Unter 18 Teilnehmern war er auf 4 gesetzt und zählte zu den Mitfavoriten. Beim Schnellschach ist das ja aber – gerade nach einer Pause von zwei Monaten – immer so eine Sache…
  
Die ersten beiden Runden waren gegen nominell schwächere auch mehr als holprig. In der ersten Runde musste er über die volle Distanz von 60 Minuten kämpfen – zwar gewann Dennis mit Schwarz gegen das Londoner System früh einen Bauern, jedoch war das entstandene Doppel-Turm-Endspiel mit je einer Leichtfigur und 7 vs. 6 Bauern nicht einfach zu knacken. Als es sich langsam zugunsten des Talentes wandte, dachte Dennis, er könne drei Bauern für eine Figur gewinnen und das Endspiel wäre mit drei verbundenen Freibauern Formsache.
  
Er verzettelte sich aber und es waren nur zwei Bauern – und auf einmal wurde es spannend. Eigentlich war das Endspiel Remis, weil die gegnerische Aktivität zu groß war, dank der Zeitnot konnte Dennis das Spiel aber nochmal drehen und gewann.
  
Auch die zweite Runde hatte ähnlichen Charakter – in einem Wolga-Gambit behielt Dennis mit guter Stellung den Bauern, als der Gegner Benoni mit rein-mischte. Dann gab er den Bauern überflüssigerweise her, verlor den Faden und noch gleich eine Qualität dazu. Diese wurde allerdings nicht geschlagen; der Gegner dachte, Dennis könne am gegnerischen Königsflügel einschlagen und genug Gegenspiel haben (was aber falsch war, dieser Einschlag hätte dazu gefüht, dass Dennis selbst Matt wird). Damit war das Spiel ausgeglichen und kurz darauf gab es ein klar besseres Endspiel, welches die Queen auch sicher nach Hause fuhr.
  
In der dritten Runde gab es dann das erste Favoritenmatch für Dennis (gegen die Nummer 3), das war aber auch gleich wieder vorbei. Der Gegner wählte einen Abtauschfranzosen und schwupps, war quasi alles getauscht. Und Remis gegeben.
   
Damit war Dennis nach drei Runden mit 2,5/3 zur Mittagspause gut bedient auf Platz 3. Die Nummer 1 musste gleich am Anfang mit zwei Niederlagen (!) gegen Jugendliche von Nürnberg 1911 leben. An sich gab es auch ein kurioses Bild zur vierten Runde – drei Jugendliche an den ersten drei Brettern….
   
Einer dieser Jugendlichen, jemand mit 1200 (!) DWZ, spielte gegen Dennis einen Nimzo-Inder, war jedoch mit der ruhigen e3-Variante von Dennis überfordert. Als die Damen getauscht wurden, standen Dennis Figuren klar aktiver und nicht viel später gewann Dennis eine Figur und damit die Partie. 
   
In der 5. Runde ging es dann gegen einen weiteren Jugendlichen, welcher die Nummer 2 des Turnieres, immerhin ein FM, einfach mal (gefühlt) vom Brett fegte. Gewarnt wählte Dennis eine zunächst solide Variante gegen den Tarrasch-Franzosen, um das Brett gefühlt doch sofort anzuzünden. In einer sehr scharfen Variante kam Dennis klar besser raus und bekam das geopferte Material zurück und hatte einen Mehrbauern. Nicht viel später konnte er in der beidseitig knapp werdenden Zeit auch eine Figur gewinnen und trotz Zeitnot brachte er den Sieg sicher nach Hause.
  
Damit führte er mit 4,5/5 das Turnier an – mit einem Sieg wäre er praktisch durch gewesen (nur noch besagter Jugendlicher aus Runde 5 und der Drittrundengegner hätte ihn nach Punkten noch einholen können, überholen war gar nicht mehr drin). Aber mit Win-And-You-Are-The-Overall-Winner in der vorletzten Runde hat Dennis ja öfter so seine Problemchen…
   
Und so sollte es auch dieses Mal laufen! Zwar gewann Hüttchen im Grünfeld-Inder einen Bauern, jedoch war die Stellung extrem scharf und Dennis kam nie zum rochieren. Als die Zeit zu knapp wurde, vergaß (nicht übersah!) er einen Einschlag und musste auf einmal kreativ werden. Als der Gegner ein Figurenopfer nicht annahm, war Dennis praktisch Matt und streckte die Waffen.
   
Damit war es quasi „Back to the drawing board“ – Vier Spieler hatten 4,5 Punkte, zwei Spieler hatten 4 Punkte – und sie alle traten in wilden Konstellationen aufeinander. Dennis musste dabei gegen einen FM mit Schwarz
gewinnen – es gibt leichtere Aufgaben.
   
Gegen den Doppel-Fianchetto-Aufbau in einem Engländer baute sich Dennis erst ruhig auf, schickt aber bald seine Truppen gen gegnerischen König und der Gegner agierte dabei etwas zu sorglos – als Dennis das Zentrum sprengen konnte, war ein gegnerischer Springer an die Dame gefesselt und es gab keinen sinnvollen Ausweg. Mindestens zwei Figuren hätte er für einen Turm geben müssen (inklusive einem sehr nackten König) – beim Versuch, cleverer raus zu kommen, verlor der FM einfach nur zwei Figuren, praktisch kompensationslos. Ups – nicht viel später, als auch noch die Damen hätten getauscht werden müssen (oder man auch noch einen Turm verliert oder Matt wird), streckte der Gegner die Waffen.
  
5,5/7 – ein starkes Turnier! Gekrönt wurde das Ganze dann davon, dass die Feinwertung Dennis zur Seite sprang und trotz des 1200ers der Gegnerschnitt hoch genug war, um das Turnier zu gewinnen! 
   
Damit war Dennis Kreiseinzelmeister im Schnellschach 2018 – yay, der zweite Titel.
  
Genug Selbstbeweihräucherung – nächste Woche findet die Bezirksmeisterschaft statt und wenn Dennis da Zeit hat, muss man mal sehen, was so ein Kreistitel auf Bezirksebene so bringt… 🙂 

  
   

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Kategorien: Talente on Tour